Gesellenfreisprechung 2017 der Kreishandwerkerschaft Nordwestmecklenburg-Wismar

Festrede

Am 08. September wurden im Rahmen einer Festveranstaltung insgesamt 23 junge Handwerkerinnen- und Handwerker freigesprochen. Besonders gefreut habe ich mich darüber, dass 12 von ihnen mit dem Prädikat "gut" abgeschlossen haben. Laut Kreishandwerksmeister Eckhard Gauer, so viele wie schon seit Jahren nicht mehr. In meiner Festrede machte ich deutlich, dass wir in Mecklenburg-Vorpommern jede Hand brauchen und warb dafür, dass die jungen Gesellinnen und Gesellen ihre Zukunft in ihrer Heimat gestalten.

Zur Rede:

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren, sehr geehrter Herr Gauer, liebe Junghandwerkerinnen und Junghandwerker,

herzlichen Dank für Ihre Einladung zur Freisprechung der Gesellinnen und Gesellen 2017.

Gerne bin ich ihrem Wunsch – sehr geehrter Herr Gauer - gefolgt, heute die Festrede zu halten und freue mich, dass ich bei diesem wichtigen Ereignis dabei sein darf.

Liebe junge Fachkräfte,

Ihr Prüfungsstress ist zum Glück Vergangenheit. Sie haben Ihr Gesellenstück erstellt und die Prüfungen bestanden. Sie haben es geschafft! Darauf können Sie zu Recht stolz sein! Zu Ihren Prüfungserfolgen meine allerherzlichsten Glückwünsche!

In wenigen Minuten erhalten Sie Ihre Gesellinnen- und Gesellenbriefe zum Bäcker, Tischler, Maler/Lackierer, Bauten-und Objektbeschichter, Friseur, Zimmerer, Maurer, Energie- und Gebäudetechniker und KFZ-Techniker. (Sehen Sie es mir nach, dass ich nicht immer die ganz korrekte Bezeichnung Ihrer Berufe gewählt habe).

Jetzt können Sie erst mal innehalten, verschnaufen und natürlich - kräftig feiern. Das haben Sie sich verdient.

Bestanden haben insgesamt 23 Auszubildende, davon 12 mit „gut“. Das ist eine bemerkenswerte Bilanz und dafür möchte ich an dieser Stelle allen Ausbildern in den Ausbildungsbetrieben, und Prüfern, den Lehrerinnen und Lehrern der Berufsschulen, den Prüferinnen und Prüfern und nicht zuletzt auch allen Eltern danken. Sie alle haben Hilfe, Unterstützung und manchmal sicher auch Trost und Ansporn gegeben.

Ein Handwerk zu erlernen hat in Deutschland eine lange Tradition.

Das deutsche Handwerk genießt weltweit einen hervorragenden Ruf. Made in Germany steht immer noch für hohe Qualität.

Der Grundstein dafür wird mit einer guten Ausbildung gelegt. Sicher ist unser duales Ausbildungssystem auch ein Garant für die positiven Entwicklungen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt.

Schauen wir einmal auf die anderen europäischen Länder, die kein mit dem dualen Ausbildungssystem vergleichbares Instrument zur Fachkräftegewinnung haben

In Spanien z.B. lag der prozentuale Anteil der 15-24jährigen Arbeitslosen verglichen mit dem Anteil erwerbstätiger Jugendlicher im Juni 2017 bei 39,2%. Das heißt: mehr als ein Drittel der spanischen Jugendlichen haben aktuell keine Arbeit.

In Deutschland lag die Jugendarbeitslosenquote zum gleichen Zeitpunkt bei lediglich 6,7%. Das ist im europäischen Vergleich der Spitzenwert. In Mecklenburg-Vorpommern liegen wir aktuell bei 10,3%. Das heißt: In Spanien gibt es fast 4 mal so viele jugendliche Arbeitslose wie bei uns in Mecklenburg-Vorpommern.

Die EU-Kommission prüfte daher jüngst auch aufgrund dieser Zahlen, wie der Zugang zu den sogenannten reglementierten Berufen (also Berufe, deren Ausübung an eine Anerkennung der beruflichen Qualifikation gebunden sind) in den Mitgliedsstaaten erleichtert werden kann. Wie man also die Möglichkeiten verbessern kann, dass z.B. ein spanischer, griechischer oder italienischer Jugendlicher auf dem deutschen Ausbildungs-und Arbeitsmarkt Fuss fassen kann.

Die Idee selbst ist ja nicht schlecht. Naheliegend wäre es aber gewesen, die Zugangsvoraussetzungen der weniger erfolgreichen Länder an das erfolgreichste Land, also Deutschland, anzupassen. Besser gesagt, darauf hinzuwirken, die südeuropäischen Ausbildungsstandards endlich anzuheben. Das Verwunderliche: Das Ansinnen der EU war gerade umgekehrt. Die Kriterien des erfolgreichen deutschen Ausbildungssystems sollten gelockert werden, um dem weniger erfolgreichen Systemen „gerecht“ zu werden.

Sowohl der Landtag von MV, als auch der Bundestag haben sich dazu eindeutig positioniert und dieses Ansinnen abgelehnt. Deutschland hat gesagt: Das ist geradezu absurd. Man sägt nicht den Ast ab, auf dem man sitzt. Gerade wegen des deutschen Ausbildungssystems mit seiner Kombination aus Theorie und Praxis ist die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland drastisch gesunken. Aus welchem Grund sollte dieses System aufgeweicht werden? Eine Aushöhlung der dualen Ausbildung, aber auch des deutschen Meisterdiploms ist vollkommen inakzeptabel. Die genannten deutlichen Reaktionen aus Mecklenburg-Vorpommern und vielen anderen Bundesländern sowie der Bundesregierung haben vorerst Wirkung gezeigt. Wir müssen aber weiterhin auf der Hut sein.

Nun zurück von der großen Politik zu Ihnen:

Jetzt, mit dem Ende Ihrer Ausbildung, stehen Ihnen viele Wege offen: z.B. eine Tätigkeit in Ihrem Beruf, eine Zusatzqualifikation, eine Meisterqualifikation, oder ein Studium.Vielleicht denkt der eine oder andere von Ihnen auch an eine Selbstständigkeit - Ihre Möglichkeiten sind vielfältig. Was mir aber ganz wichtig ist zu betonen: In Mecklenburg-Vorpommern wird jede Hand gebraucht. Deshalb ist es absolut wichtig und notwendig, dass Sie Ihren Beruf in unserem Bundesland ausüben. Wir brauchen Sie!

Noch vor Jahren war die Situation auf dem Arbeitsmarkt so, dass die Arbeitgeber aus den Besten auswählen konnten. Sie sind heute in einer weitaus komfortableren Situation: Sie können aus den besten Arbeitsplatzangeboten aussuchen. Voraussetzung dafür ist natürlich Engagement, Leistungsbereitschaft und Zielstrebigkeit. Ich muss Ihnen auch nicht sagen, dass die kleinen und mittelständischen Unternehmen, insbesondere das Handwerk, die tragende Säule unserer Gesellschaft sind.

Diese Unternehmen sind es, die in unserem Land eine „flächendeckende Wertschöpfung“ generieren – oder ganz profan gesagt: sie erwirtschaften Gewinne, von denen ein Teil durch Umverteilung der gesamten Gesellschaft zugute kommt. Und diese Unternehmen sind auf Sie, auf engagierte, qualifizierte und motivierte Mitarbeiter angewiesen. Dabei spielen die Tugenden Fleiß, Pünktlichkeit und Genauigkeit - neben der fachlichen Qualifikation - eine ganz entscheidende Rolle. Denn trotz aller Automatisierung, Computertechnologie und vieler anderer Errungenschaften unserer Zeit – Handwerk hat goldenen Boden (den Spruch kennen Sie zu Genüge) und auch in Zukunft werden gute Handwerker gebraucht.

Liebe Gesellinnen und Gesellen,

auch nach Ihrer Freisprechung wird das Lernen nicht aufhören.

Ständige Weiterbildung bzw. ständiges Dazulernen ist notwendig, da sich unser aller Umfeld permanent verändert und sich ständig weiterentwickelt. Da kommen neue Verfahren und Technologien, die Sie beherrschen müssen, da werden neue Produkte entwickelt, die Sie kennen müssen – und auch die Kunden stellen Anforderungen u.v.a.m. All dem müssen Sie gerecht werden.

Sie werden jetzt nach alter Tradition „freigesprochen“. Eine Tradition, die übrigens schon seit dem Mittelalter besteht. Vor der Industrialisierung lebten die Lehrlinge in den Familien der Lehrherren und mussten sich in allen Dingen den Regeln des Meisters unterwerfen. Mit der Freisprechung vom Meister wurde diese Abhängigkeit beendet. Das ist heute zwar komplett anders, aber auch Sie gewinnen mit der abgeschlossenen Berufsausbildung und der Freisprechung eine neue Freiheit.

Nutzen Sie diese und machen was draus!

Ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute, viel Erfolg und Anerkennung im Beruf, aber auch für Ihr persönliches Leben wünsche ich Ihnen alles Gute.

 

 

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